2017-05-26 - Lebendige Vergangenheit

Stille, rote Schuhe, ein blaues Kleid mit weißem Kragen, ein junges Gesicht, ruhige, fesselnde Stimme, Tagebuch.
Sie sollte Anne Frank darstellen, bei der szenischen Lesung an unserer Schule am 23. Februar 2017.  
Wir, sechs Schüler des 12. Jahrgangs, hatten zusammen mit dem 11. Jahrgang die Möglichkeit uns diese Lesung anzuhören.
Wir kommen also in den Raum, suchen uns einen Platz und es wird still. Schwarz-weiße Bilder zum Thema der Judenverfolgung im Dritten Reich werden an die Wand projiziert. Um in die Geschichte hinein versetzt zu werden, wird am Anfang ein allgemeiner Überblick über die Situation der Juden, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gegeben.
Die Schauspielerin setzt sich hin und beginnt aus dem Tagebuch der Anne Frank vorzulesen, fast so, als wäre es ihr eigenes.
Bestimmte Themenbereiche wurden intensiv behandelt, der Konflikt mit ihrer Mutter Edith Frank, die Beziehung zu Peter van Pels, der sich ebenfalls mit seiner Familie in der kleinen Wohnung versteckte. Außerdem spielte die komplizierte und heimliche Wohnsituation eine große Rolle.
Wir alle empfanden gemischte Gefühle. Von traurig bis nachdenklich, doch auch auflockernde Momente, in denen wir, aus Annes Sicht, schmunzeln mussten.
Anne hatte trotz ihrer Angst entdeckt zu werden, „normale“ Probleme, so wie jeder Jugendliche in der Pubertät. Aus diesem Grund konnten wir uns gut mit ihr identifizieren und es fiel uns nicht schwer uns in sie hinein zu versetzten. Die Schauspielerin machte es uns mit ihrer lebhaften Darstellung leicht, der Geschichte zu folgen.
Am Ende wurde uns noch einmal bewusst, wie nahe die damalige, problematische Lage von jüdischen Flüchtlingen an die heutigen Ereignisse grenzt. Der Regisseur Sven Post gab uns schließlich einen Denkanstoß: „Wenn man einem syrischen Kind heute ein leeres Tagebuch geben würde, wäre der Inhalt nahezu derselbe.“ (vgl. Sven Post).
Wir würden jedem empfehlen, der die Chance bekommt, eine solche Vorlesung wahrzunehmen, diese auch zu nutzen.

Kerstin Hauke, Jill Krasemann, Frederike Laux, Melanie Messerle, Robin Püllen und Alina Steinhauer (12. Jahrgang)