2016-10-23 - Erfolgreiche Teilnahme am Essay-Wettbewerb

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Schon zum sechsten Mal hintereinander haben Schülerinnen und Schüler der Gymnasialen Oberstufe der Robert-Schuman-Europaschule Willich am landesweiten Essay-Wettbewerb der Berkenkamp-Stiftung erfolgreich teilgenommen.
Smartphone, I-Pad, Facebook, Twitter: Die Sprachkompetenz verkümmert, eine Art gestammelte Zeichensprache etabliert sich im Gefolge der sozialen Medien – so lautet ein gängiges Vorurteil über junge Erwachsene.
Geht man bei schönem Wetter über den Schulhof der Robert-Schuman-Europaschule in Willich, traut man seinen Augen kaum: Ein Buch – aus Papier und Pappe (!) – aufgeschlagen, die Beine übereinandergeschlagen, sieht man Anna Stinnertz „buchversunken“ auf einer Bank sitzen. „Buchversunken“ ist auch der Titel ihres Essays, in dem sie eine Kundin eines Buchladens beschreibt, die so sehr in Albert Camus‘ Roman „Die Pest“ versinkt, dass sie ein Teil der Romanhandlung wird und der Realität des Buchladens vollkommen enthoben ist. Die Bücherfreundin fühlt sich derart in den Arzt aus dem Roman ein, dass sie am Ende auf Grund von dessen Erfahrungen ihr eigenes Leben ändert. Anna liebt es in Bücher zu versinken, vorwiegend in literarische Texte mit einem philosophischen, historischen oder wissenschaftlichen Kontext.  
„Es ist schwer, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.“ Mit diesem Zitat des aufklärerischen Philosophen Georg Christoph Lichtenberg hat sich Sinah Shalaby beschäftigt. Dabei untersuchte sie eine unter Freundinnen häufig vorkommende  Dilemmasituation: Wie verhält man sich, wenn man auf Grund eines Konfliktes gerade zwischen zwei Freundinnen steht? Soll man sich heraushalten oder eingreifen? Kann man neutral bleiben oder muss man Position beziehen? Wie man sich auch verhält, es gibt kein Patentrezept, häufig stößt man eine oder sogar beide Parteien vor den Kopf.
Ins seinem Text „Bitte keine Ausreden“ hat Jonas Fath vor allem die Auswirkungen der neuen sozialen Medien auf unsere Alltagkommunikation diskutiert. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass das Fehlen der Face-to-face-Kommunikation sehr viel mehr „Ausreden“ ermögliche, denn jemandem etwas ins Gesicht zu sagen, sei doch deutlich schwerer, als ihm eine kurze SMS zu senden. Wie sehr diese Veränderungen menschliche Beziehungen insgesamt, z.B. deren Tiefe und Intensität, veränderten, lasse sich noch nicht ausmachen. Werden menschliche Beziehungen also flüchtiger, kälter, ärmer oder wird als Reaktion auf die neuen Kommunikationswege auch wieder die leibhaftige Begegnung an Bedeutung gewinnen?
Alle drei jungen Literaturtalente sind mit einer Urkunde ausgezeichnet worden, die ihre erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb bestätigt. Sie führen dadurch eine Tradition fort, die an der Robert-Schuman-Europaschule bereits im sechsten Jahr besteht.